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Was ist ADHS?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Besonderheit der Informationsverarbeitung.

Sie beschreibt eine andere Art, Aufmerksamkeit, Motivation, Impulse und Emotionen zu regulieren.

ADHS beginnt in der Kindheit und bleibt bei vielen Menschen auch im Erwachsenenalter bestehen, zeigt sich dort jedoch häufig anders.

Während bei Kindern oft körperliche Unruhe im Vordergrund steht, erleben Erwachsene mit ADHS ihre Symptome eher innerlich: als gedankliche Unruhe, starke innere Anspannung, Erschöpfung oder durch Schwierigkeiten bei der Alltagsstrukturierung.

ADHS ist keine Charakterschwäche, kein Mangel an Willenskraft und kein Zeichen von mangelnder Intelligenz.

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Neurobiologischer Hintergrund

ADHS wird heute als multifaktoriell bedingte neurobiologische Entwicklungsvariante verstanden.

Eine wesentliche Rolle spielen genetische Einflüsse sowie Unterschiede in der Regulation bestimmter Neurotransmitter, insbesondere Dopamin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe sind maßgeblich an Aufmerksamkeit, Motivation, Handlungssteuerung und Emotionsregulation beteiligt. Bei Menschen mit ADHS ist ihre Verfügbarkeit und Verarbeitung anders organisiert – nicht defizitär, sondern anders verteilt und kontextabhängig.

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Gehirn, Selbststeuerung und Motivation

In der ADHS-Forschung stehen funktionelle Netzwerke im Vordergrund, die für Planung, Selbststeuerung und Motivation relevant sind. Der präfrontale Kortex spielt eine zentrale Rolle bei Planung, Impulskontrolle und Entscheidungsfindung.

Bei ADHS zeigt sich hier häufig eine veränderte Aktivierung, insbesondere unter Bedingungen von Stress, äußerem Druck oder geringer intrinsischer Motivation. Motivation bei ADHS entsteht weniger über äußeren Druck oder langfristige Zielvorstellungen, sondern vor allem über Interesse, Sinnhaftigkeit und emotionale Beteiligung.

Aufgaben, die als bedeutungslos oder monoton erlebt werden, können trotz hoher Anstrengung schwer zugänglich bleiben.

Gleichzeitig können Menschen mit ADHS bei starker innerer Beteiligung in einen sogenannten Hyperfokus gelangen – einen Zustand intensiver Konzentration. Dieses Zusammenspiel erklärt viele typische Alltagserfahrungen: das Gefühl, Dinge „eigentlich zu wollen", sie aber dennoch nicht umsetzen zu können.

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ADHS im Erwachsenenalltag

ADHS kann sich auf viele Lebensbereiche auswirken: Beruf, Beziehungen, Selbstorganisation, Zeitmanagement und das eigene Selbstbild. Viele Erwachsene mit ADHS berichten von einem langen Weg voller Selbstzweifel, da ihre Schwierigkeiten häufig als persönliches Versagen interpretiert wurden.

Gleichzeitig bringen viele Menschen mit ADHS besondere Stärken mit: Kreativität, Empathie, schnelles Denken, hohe Begeisterungsfähigkeit und die Fähigkeit, komplexe Situationen intuitiv zu erfassen.

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ADHS und Coaching

Coaching kann dabei unterstützen, die eigene ADHS-spezifische Funktionsweise besser zu verstehen und individuelle Strategien zu entwickeln, die zum eigenen Alltag passen.

Im Mittelpunkt stehen Selbstorganisation, Umgang mit Anforderungen, Stärkenorientierung und ein wertschätzender Blick auf sich selbst.

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Wichtig: Coaching ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen.

Hinweis: Dieses Handout dient der Information und ersetzt keine Diagnostik oder Therapie. Bei Verdacht auf ADHS oder psychischen Notlagen wenden Sie sich bitte unbedingt an eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson.

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Weiterführende Informationen zu ADHS im Jugend- und Erwachsenenalter finden Sie auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

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