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ADHS und Ernährung - Was Dein Gehirn wirklich braucht

  • Autorenbild: Julius Achenbach
    Julius Achenbach
  • 7. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Du kommst abends nach Hause. Eigentlich wolltest Du noch etwas zu Essen kochen. Stattdessen stehst Du ewig am Kühlschrank und die halbe Tafel Schokolade ist weg, bevor Du es überhaupt merkst.

Danach: Selbstvorwurf, Müdigkeit, und der Plan ist gestorben.

Das ist nicht unbedingt ein Mangel an Disziplin. Bei Erwachsenen mit ADHS hat auch Dein Dopamin-System einen großen Einfluss!


Bei ADHS und Ernährung spielen mehr Faktoren zusammen, als die meisten denken. Und die gute Nachricht: Du kannst da was bewegen, ohne zwangsläufig im Jojo-Effekt zu landen.


Warum Dein Gehirn nach Zucker schreit

Bei ADHS ist das Dopamin-System anders reguliert. Dein Gehirn sucht ständig nach Belohnung, um den Dopaminspiegel (bzw. den gestörten Dopamintransport) auszugleichen. Süßes und Fettiges liefern genau diesen schnellen Schub. Das Problem: Der Schub fällt genauso schnell wieder ab, genauso wie Dein Blutzucker und die ADHS-Symptome werden schlimmer. Konzentration weg, Unruhe hoch, Reizbarkeit auf Maximum.


Das Risiko ist real. Eine große Meta-Analyse von Cortese et al. (2016) zeigt, dass Erwachsene mit ADHS ein um rund 70 % erhöhtes Risiko für Adipositas haben. Nicht, weil sie sich nicht zusammenreißen können, sondern weil das Belohnungssystem schlicht anders tickt.


Was die Studien zu ADHS und Ernährung zeigen

Rund um das Thema ADHS und Ernährung kursieren viele Mythen (wie leider oft beim Thema Ernährung oder mentale Gesundheit).


Hier die belastbare Studienlage zu einigen Punkten, kurz und ehrlich:

Eisenmangel. Eine Meta-Analyse aus 2017 (Wang et al., PLoS One) zeigt: Menschen mit ADHS haben signifikant niedrigere Ferritinwerte als Menschen ohne ADHS. Niedrige Eisenspeicher korrelieren scheinbar mit der Schwere der Symptome. Eine aktuelle Untersuchung aus 2025 (MacLean et al., Nutrients) belegt zudem: Frauen mit ADHS-Symptomen haben besonders oft Eisenmangel, häufig verstärkt durch starke Menstruationsblutungen.

Omega-3 ist kein Wundermittel. Die Meta-Analyse von Bloch & Qawasmi (2011) zeigte moderate Effekte auf Aufmerksamkeit und Impulsivität. Andere Studien finden keinen klaren Effekt. Sicher ist nur: Wer ohnehin einen niedrigen Omega-3-Spiegel hat, profitiert am ehesten.

Zucker löst ADHS nicht aus. Aber er kann Symptome verstärken. Bei einem ohnehin instabilen Aufmerksamkeitssystem wirken Blutzuckerschwankungen wie ein zusätzlicher Verstärker.


Drei Hebel, die wirklich funktionieren

Diese drei Dinge machen einen echten Unterschied, ohne dass Du Dein Leben umkrempeln musst:

  • Proteinreiches Frühstück. Eier, Quark, griechischer Joghurt. Stabilisiert den Blutzucker und liefert die Bausteine, die Dein Gehirn für die Dopamin-Produktion braucht. Das ist der wichtigste Hebel überhaupt, zumal viele Betroffene berichten, dass eiweißreiches Essen besser mit der Medikation funktioniert.

  • Eisenstatus checken lassen. Ferritin, Transferrin, Hämoglobin. Der Hausarzt oder die Hausärztin kann das beim nächsten Termin einfach mitlaufen lassen. Bei Frauen besonders wichtig.

  • Snacks einplanen statt verbieten. Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Nüsse, Obst) statt reinem Zucker. Wenn Du weißt, dass um 16 Uhr der Energie-Drop kommt, legst Du etwas Vernünftiges bereit, bevor das Schoko-Dilemma überhaupt entsteht.


Natürlich steht hinter alldem auch überhaupt erst die Herausforderung, exekutiv soweit steuerungsfähig zu sein, dass diese Pläne auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden (und zwar über den Anfangsimpuls des Hyperfokus hinaus...).


Strenge Diäten funktionieren bei ADHS fast nie.

Was funktioniert: Struktur, kleine Veränderungen, und ein System, das mit Deinem Gehirn arbeitet, nicht gegen es. Im Coaching schauen wir uns Deinen Alltag konkret an. Wo sind die Crash-Momente? Welche Routinen sind realistisch für Dich? Welche Methoden kannst Du in Deiner Situation speziell einsetzen? Und wie baust Du Gewohnheiten auf, die auch dann halten, wenn der Tag mal aus dem Ruder läuft? Melde dich mit Deinen Fragen oder vereinbare ein unverbindliches Infogespräch:


Du schaffst das!


Julius Achenbach

ADHS-Coaching & Systemisches Coaching | adhscoach.net

 
 
 

1 Kommentar

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Gast
07. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Wundert mich irgendwie nicht mit dem Risiko :D Die Cravings sind schlimm.

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