Was ist ADHS?
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Besonderheit der Informationsverarbeitung. Sie beschreibt eine andere Art, Aufmerksamkeit, Motivation, Impulse und Emotionen zu regulieren.
Von Julius Achenbach, ADHS-Coach und M.Sc. · Geprüft und aktualisiert im Oktober 2026

ADHS beginnt in der Kindheit und bleibt bei vielen Menschen auch im Erwachsenenalter bestehen, zeigt sich dort jedoch häufig anders. Während bei Kindern oft körperliche Unruhe im Vordergrund steht, erleben Erwachsene mit ADHS ihre Symptome eher innerlich: als gedankliche Unruhe, starke innere Anspannung, Erschöpfung oder durch Schwierigkeiten bei der Alltagsstrukturierung.
ADHS ist keine Charakterschwäche, kein Mangel an Willenskraft und kein Zeichen von mangelnder Intelligenz.
ADHS auf einen Blick
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Rund 5,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 2,5 Prozent der Erwachsenen weltweit haben ADHS.
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Die Erblichkeit liegt im Mittel bei rund 74 Prozent, Umweltfaktoren wirken mit.
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Bei vielen bleibt ADHS im Erwachsenenalter bestehen, oft eher als innere Unruhe als sichtbare Hyperaktivität.
Quelle: Faraone u. a. (2021), International Consensus Statement der World Federation of ADHD
Neurobiologischer Hintergrund
ADHS wird heute als multifaktoriell bedingte neurobiologische Entwicklungsvariante verstanden. Eine wesentliche Rolle spielen genetische Einflüsse sowie Unterschiede in der Regulation bestimmter Neurotransmitter, insbesondere Dopamin und Noradrenalin.
Diese Botenstoffe sind maßgeblich an Aufmerksamkeit, Motivation, Handlungssteuerung und Emotionsregulation beteiligt. Bei Menschen mit ADHS ist ihre Verfügbarkeit und Verarbeitung anders organisiert und hängt stärker von der Situation ab.
Gehirn, Selbststeuerung und Motivation
In der ADHS-Forschung stehen funktionelle Netzwerke im Vordergrund, die für Planung, Selbststeuerung und Motivation relevant sind. Der präfrontale Kortex spielt eine zentrale Rolle bei Planung, Impulskontrolle und Entscheidungsfindung.
Bei ADHS zeigt sich hier häufig eine veränderte Aktivierung, insbesondere unter Bedingungen von Stress, äußerem Druck oder geringer intrinsischer Motivation. Motivation bei ADHS entsteht vor allem über Interesse, Sinnhaftigkeit und emotionale Beteiligung.
Aufgaben, die als bedeutungslos oder monoton erlebt werden, können trotz hoher Anstrengung schwer zugänglich bleiben. Gleichzeitig können Menschen mit ADHS bei starker innerer Beteiligung in einen sogenannten Hyperfokus gelangen, einen Zustand intensiver Konzentration. Dieses Zusammenspiel erklärt viele typische Alltagserfahrungen: das Gefühl, Dinge „eigentlich zu wollen“, sie aber dennoch nicht umsetzen zu können.

ADHS im Erwachsenenalltag
ADHS kann sich auf viele Lebensbereiche auswirken: Beruf, Beziehungen, Selbstorganisation, Zeitmanagement und das eigene Selbstbild. Viele Erwachsene mit ADHS berichten von einem langen Weg voller Selbstzweifel, da ihre Schwierigkeiten häufig als persönliches Versagen interpretiert wurden.
Gleichzeitig bringen viele Menschen mit ADHS besondere Stärken mit: Kreativität, Empathie, schnelles Denken, hohe Begeisterungsfähigkeit und die Fähigkeit, komplexe Situationen intuitiv zu erfassen.
Mehr dazu im ADHS-Wissensblog
ADHS und Coaching
Coaching kann dabei unterstützen, die eigene ADHS-spezifische Funktionsweise besser zu verstehen und individuelle Strategien zu entwickeln, die zum eigenen Alltag passen. Im Mittelpunkt stehen Selbstorganisation, Umgang mit Anforderungen, Stärkenorientierung und ein wertschätzender Blick auf sich selbst.
Wie das bei mir konkret abläuft und was es kostet, findest Du bei den Angeboten. Eine erste Orientierung gibt Dir der kostenlose ADHS-Selbsttest.
Wichtig
Coaching ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen. Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Diagnostik oder Therapie. Bei Verdacht auf ADHS oder psychischen Notlagen wende Dich bitte unbedingt an eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson.
Quellen
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S3-Leitlinie „ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, AWMF-Register-Nr. 028-045
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Faraone, S. V. u. a. (2021): The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 Evidence-based conclusions about the disorder. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 128
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Barkley, R. A. (2015): Attention-Deficit Hyperactivity Disorder. A Handbook for Diagnosis and Treatment. 4. Auflage, Guilford Press
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Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums: ADHS, gesund.bund.de