Beziehung mit ADHS – Wie Partner wirklich damit umgehen können
Du vergisst den Hochzeitstag. Du hörst zu, aber Dein Partner sieht, dass Du gedanklich woanders bist. Du sagst impulsiv etwas Verletzendes und bereust es sofort.
Das hat nichts mit fehlender Liebe zu tun. Aber es fühlt sich für beide so an. So oder ähnlich läuft es oft in einer Beziehung mit ADHS.
Warum eine Beziehung mit ADHS zur Belastung werden kann
Die ADHS-Kernsymptome – Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Emotionsdysregulation – treffen in Beziehungen direkt aufeinander. Oder öfter, auf das Gegenteil.
Vergessene Absprachen wirken wie Gleichgültigkeit. Impulsive Aussagen eskalieren kleine Konflikte. Und die Zeitblindheit sorgt dafür, dass der Partner sich chronisch hintangestellt fühlt.
Und dann kommen da noch gelegentlich die Impulskäufe, wechselnde Interessen etc., was oft den Eindruck von Instabilität und Frustration hinterlässt.
Ohne adäquate Kommunikation und auch gegenseitiges Verständnis (nicht nur in Richtung des ADHS-Betroffenen), führen diese Dynamiken allzu oft zu dauerhaften Problemen oder gar Trennungen.
Die Eltern-Kind-Falle
Ein häufiges Muster dabei:
Der Partner ohne ADHS wird zum Organisator, Erinnerer, Kontrolleur. Und fühlt sich in einer Elternrolle gefangen. Der Partner mit ADHS fühlt sich bevormundet. Beide sind frustriert.
Diese Dynamik ist Gift für Intimität und Respekt und fördert Vertrauensverlust und Vorwurfsdenken. Sie zu erkennen ist der erste Schritt, sie zu verändern.
Was beiden helfen kann
ADHS offen besprechen. Wenn beide verstehen, was ADHS-bedingt ist, entsteht Verständnis statt Vorwurf. Voraussetzung dafür ist, dass ADHS konkret benannt werden kann
Gemeinsame Systeme nutzen: geteilter Kalender, wöchentliches Paar-Check-in, klare Aufgabenverteilung nach Stärken
Kommunikationsregeln für hitzige Momente: Ein vereinbartes Signal für „Ich brauche eine Pause, bevor ich etwas sage, das ich bereue" oder Notfallkarten zum Abfedern der Impulsreaktionen
Gegenseitige Gewährleistung von Räumen, für Individualität, eigene Strukturen und Vorhaben, dabei aber klar umrissene Bereiche und Zeiten, in denen gemeinsame Zeit verbracht wird
Wichtig dabei: ADHS ist keine Ausrede, aber es verändert die Perspektive, mit der Situationen wahrgenommen werden. Das Verständnis dieser Tatsache wiederum kann zu einer Perspektivänderung beim Partner führen. Von „Du machst das absichtlich" zu „Wir finden gemeinsam Lösungen."
Dafür benötigt es Verständnis und Kommunikation ohne Schuldzuweisungen. Insbesondere in Beziehungen mit einem neurotypischen und einem atypischen Part ist also die Bereitschaft, die Perspektive zu wechseln essentiell für eine lösungsorientierte Kommunikation. Dabei ist allerdings ebenso entscheidend, dass die Erwartungshaltung nicht allein in Richtung des neurotypischen Parts gerichtet ist. Dessen Bedürfnisse und Empfindungen müssen ebenso Gehör finden, wie die des Betroffenen. Diese Einnahme unterschiedlicher Perspektiven durch bspw. Externalisierung, lässt sich erlernen. Am wichtigsten dafür ist Transparenz und offene Kommunikation.
Du schaffst das.
Julius Achenbach ADHS-Coaching & Systemisches Coaching | adhscoach.net
Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung. Solltest Du Dich in einer psychischen Notlage befinden, wende Dich bitte an den ärztlichen Notdienst (116117), den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 1110111 / 0800 1110222).







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