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ADHS und Emotionen – Wenn Gefühle plötzlich zu groß werden

  • Autorenbild: Julius Achenbach
    Julius Achenbach
  • 23. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Ein beiläufiger Kommentar. Ein Blick, der sich „falsch" anfühlt. Eine Nachricht, die nicht beantwortet wird.

Und plötzlich ist Dir das alles zu viel. Wut, Scham, Traurigkeit, alles auf einmal, in voller Wucht.

Wenn Du ADHS hast, kennst Du das. Und Du kennst vielleicht auch die Selbstzweifel, die in diesen Situationen an Dir nagen. Anderen scheint es doch keine Probleme zu bereiten....stelle ich mich etwa an?


Warum ADHS und Emotionen so eng verknüpft sind

Emotionsdysregulation ist eines der am meisten unterschätzten ADHS-Symptome. Barkley und Fischer haben in einer repräsentativen Studie gezeigt: Es ist ein Kernmerkmal, nicht nur ein Nebeneffekt.

Der Grund: Der präfrontale Kortex – Dein emotionaler Regler – arbeitet bei ADHS anders. Er reguliert die Amygdala weniger effektiv. Gefühle starten schneller, sind intensiver und wechselhaft. ADHS und Emotionen sind also eng miteinander verknüpft!


Dazu kommt häufig die Rejection Sensitivity – eine extreme Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung und Kritik. Keine offizielle Diagnose, aber ein häufig berichtetes Erleben bei ADHS. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und erhöhter Ablehnungsempfindlichkeit, ebenso wie einen Zusammenhang mit erhöhtem Aufkommen von Depressionen und anderen Erkrankungen, die bei ADHS als Komorbiditäten vorkommen können.


Wie sich das anfühlt

Du vermeidest also Situationen, in denen Kritik droht. Du sagst immer Ja, um Konflikte zu umgehen. Du grübelst stundenlang über eine Bemerkung, die andere längst vergessen haben.

Das ist aber kein Charakterfehler. Es ist Dein Nervensystem.


Was Du (unter anderem) tun kannst

  • Schritt 1: Verstehen. Allein die Erkenntnis „Das ist Neurologie, nicht Charakter" nimmt enormen Druck. Die sogenannte "Affirmation" der Erkrankung bei Dir kann helfen, Druck zu reduzieren.

  • Schritt 2: Strategien. Achtsamkeitstechniken helfen, das Gefühl zu bemerken, bevor es eskaliert. Kognitive Ansätze hinterfragen automatische Gedanken wie „Sie antwortet nicht – also mag sie mich nicht." Notfallkarten, Atemübungen, Whiteboards und Visualisierungstechniken. Es gibt eine Vielzahl von Mitteln, die individuell hilfreich sein können

  • Schritt 3: Grundlage. Schlaf, Bewegung und ein stabiler Blutzucker machen Dein Nervensystem belastbarer. Insbesondere, wenn Du medikamentös eingestellt bist, da die Wirkung von ADHS-Medikamenten bspw. sehr anfällig für Schwankungen im Schlafrhythmus zu sein scheint


Wenn Du Probleme bei der Strukturierung hast und Dir diese Dinge über den Kopf wachsen, melde Dich gern bei mir! Im Coaching arbeiten wir genau an den Themen, die für Dich am schwersten zu bewältigen sind. Gerade bei ADHS ist der Aspekt der Scham und der Selbstzweifel, resultierend aus dem Vergleich mit neurotypischen Personen, nicht zu unterschätzen.


Du schaffst das!


Julius Achenbach

ADHS-Coaching & Systemisches Coaching | adhscoach.net


Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung. Solltest Du Dich in einer psychischen Notlage befinden, wende Dich bitte an den ärztlichen Notdienst (116117), den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 1110111 / 0800 1110222).


 
 
 

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