ADHS Symptome: Wie sich ADHS bei Erwachsenen zeigt
Du liest eine Mail dreimal und weißt danach trotzdem nicht, was drinstand. Der Schlüssel liegt wieder nicht an seinem Platz, und an den Termin, den Du Dir fest vorgenommen hattest, denkst Du erst, als er vorbei ist.
Solche Tage kennt jeder. Wenn sie aber eher die Regel sind als die Ausnahme, fragen sich viele Erwachsene irgendwann, ob mehr dahintersteckt. In einer Schätzung über zwanzig Länder hatten etwa 2,8 Prozent der Erwachsenen ADHS (Kooij et al., 2019).
In diesem Beitrag erfährst Du, wie ADHS Symptome bei Erwachsenen aussehen, warum sie oft anders wirken als bei Kindern und wann es sinnvoll ist, sie fachlich abklären zu lassen.

Die drei Bereiche der ADHS Symptome
Fachleute ordnen die Symptome drei Bereichen zu: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität (IQWiG, 2022). Bei Erwachsenen sehen sie oft anders aus als bei Kindern (Kooij et al., 2019).
Unaufmerksamkeit: Es fällt schwer, Aufgaben zu ordnen, Prioritäten zu setzen und mit der Arbeit überhaupt anzufangen. Bei einer Sache zu bleiben kostet viel Kraft, und Ablenkungen machen das Denken langsam (Kooij et al., 2019).
Hyperaktivität: Statt herumzulaufen, spüren viele Erwachsene eine ständige innere Unruhe. Wer äußerlich ruhig wirkt, kann innerlich trotzdem kaum stillhalten (Kooij et al., 2019).
Impulsivität: Manche reden viel und unterbrechen andere oft oder kündigen eine Stelle, bevor die nächste feststeht (IQWiG, 2022). Auch spontane Käufe, aus denen später Schulden werden, gehören dazu (Kooij et al., 2019).
Dazu kommen bei vielen Gefühle, die schnell hochkochen und ebenso schnell wieder abklingen. Sie zählen jedoch nicht zu den Kriterien, weil sie auch bei anderen Erkrankungen vorkommen (Kooij et al., 2019). Mehr dazu liest Du im Beitrag ADHS und Emotionen.
Wann aus Alltagsproblemen ein Hinweis wird
Vergesslich oder unruhig ist jeder einmal. Für eine ADHS spricht erst etwas, wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, schon in der Kindheit begonnen haben, in mehr als einem Lebensbereich auftreten und Beruf oder Privatleben deutlich beeinträchtigen (IQWiG, 2022).
Viele Erwachsene haben über die Jahre Wege gefunden, ihre Schwierigkeiten auszugleichen. Das kann die Symptome nach außen verdecken (Kooij et al., 2019). Außerdem können andere Erkrankungen wie eine bipolare Störung ähnlich aussehen, und Depressionen kommen bei ADHS häufig zusätzlich vor (IQWiG, 2022). Deshalb gehört die Diagnose in fachliche Hände, zum Beispiel in eine psychiatrische oder psychotherapeutische Praxis (IQWiG, 2022).
Was Du tun kannst, wenn Du Dich wiedererkennst
Situationen notieren: Schreib zwei Wochen lang kurz auf, wann und wo es hakt, im Job, zu Hause und mit anderen.
Die Kindheit einbeziehen: Frag Eltern oder Geschwister, wie Du als Kind warst. Die Anzeichen werden oft schon damals da gewesen sein.
Einen ersten Eindruck holen: Der ADHS-Selbsttest ersetzt keine Diagnose, gibt Dir aber eine erste Orientierung.
Notizen mitnehmen: Bring Deine Aufzeichnungen zum Termin in der psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis mit.
Im Coaching geht es natürlich nicht um die Diagnose oder eine Therapie, sondern darum, wo es in Deinem Alltag konkret hakt und was Dir dort helfen kann.
Wenn sich bei Dir gerade viel Offenes angesammelt hat und/oder du auf eine Diagnostik wartest, bringt Dich der kostenlose AGIL-Starter in etwa 15 Minuten zu einer Liste mit allem, was ansteht.
Du schaffst das!
Julius Achenbach
ADHS-Coaching & Systemisches Coaching | adhscoach.net
Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung. Solltest Du Dich in einer psychischen Notlage befinden, wende Dich bitte an den ärztlichen Notdienst (116117), den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 1110111 / 0800 1110222).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2022). ADHS bei Erwachsenen. https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.html
Kooij, J. J. S., Bijlenga, D., Salerno, L., Jaeschke, R., Bitter, I., Balázs, J. u. a. (2019). Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD. European Psychiatry, 56(1), 14 bis 34. https://doi.org/10.1016/j.eurpsy.2018.11.001







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