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Neurodivergent: Was der Begriff mit ADHS zu tun hat

Autorenbild: Julius Achenbach
Julius Achenbach
vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

Du liest das Wort in einer Instagram-Bio, in einem Kommentar oder hörst es in der Mittagspause: neurodivergent. Und weil Dein Kopf oft anders arbeitet als der von anderen, fragst Du Dich, ob das Wort auch Dich meint.


Der Begriff ist inzwischen weit verbreitet, auch in der Arbeitswelt (Doyle, 2020). Benutzt wird er aber unterschiedlich, und Fachleute diskutieren noch, welche Begriffe die richtigen sind (Doyle, 2020).


In diesem Beitrag erfährst Du, was neurodivergent bedeutet, warum ADHS dazugehört und was Dir der Begriff im Alltag bringen kann.

Eine Frau mit Kopfhörern arbeitet konzentriert am Laptop, ein Beispiel für Hilfen im Alltag, wenn Du neurodivergent bist.

Was neurodivergent bedeutet

Hinter dem Wort steht die Idee der Neurodiversität: Menschen unterscheiden sich darin, wie sie denken, wahrnehmen und lernen, und diese Unterschiede werden als Vielfalt verstanden statt als Mangel (Doyle, 2020). Entwickelt haben diese Idee in den 1990er-Jahren autistische Menschen, vor allem in einer E-Mail-Liste im Internet (Botha et al., 2024).


Das Wort neurodivergent stammt von Kassiane Asasumasu. Es beschreibt Menschen, deren Gehirn anders arbeitet als das, was als typisch gilt, und ist das Gegenstück zu neurotypisch (Botha et al., 2024).


Neurodivergent ist allerdings keine Diagnose. Der Begriff wird in der Forschung und zur Selbstbeschreibung verwendet, eine einheitliche Definition gibt es bisher nicht (Doyle, 2020).


Gehört ADHS dazu?

Ja. Fachleute zählen vor allem vier Formen zur Neurodivergenz: ADHS, Autismus, Legasthenie und Dyspraxie, also Schwierigkeiten mit der Koordination von Bewegungen. Zusammen betrifft das nach einer Schätzung etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung (Doyle, 2020).


Typisch ist ein ungleichmäßiges Leistungsprofil: Manche Fähigkeiten liegen deutlich höher als andere (Doyle, 2020). Bei ADHS nennt die Forschung zum Beispiel Schwierigkeiten mit Zeitmanagement und Konzentration, aber auch Stärken wie kreatives Denken und Hyperfokus (Doyle, 2020).


Ob Du ADHS hast, klärt aber nicht der Begriff, sondern eine Diagnostik bei Fachärztinnen und Fachärzten oder bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (IQWiG, 2022). Woran sich ADHS bei Erwachsenen zeigen kann, liest Du im Beitrag ADHS Symptome.


Neurodivergent im Alltag: Was Dir der Begriff bringen kann

Unterstützung bei Neurodivergenz soll laut Doyle (2020) zweierlei: Stärken nutzbar machen und Schwierigkeiten abfedern. Vieles davon kannst Du im Kleinen selbst ausprobieren.

  • Unterschied statt Fehler: Wenn etwas nicht klappt, frag nicht zuerst, was mit Dir nicht stimmt, sondern was die Aufgabe oder die Umgebung gerade schwer macht. Wie Du freundlicher auf Dich selbst schaust, liest Du im Beitrag Selbstwert bei ADHS.

  • Reize verringern: Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung oder ein ruhiger Raum gehören zu den üblichen Anpassungen am Arbeitsplatz (Doyle, 2020).

  • Klare Absprachen: Bitte darum, dass Aufgaben klar und konkret formuliert werden (Doyle, 2020). Am besten kurz schriftlich, dann kannst Du später nachlesen.

  • Hilfsmittel nutzen: Planungs- und Erinnerungs-Apps, ein zweiter Bildschirm oder ein Whiteboard nehmen Deinem Kopf Arbeit ab (Doyle, 2020).


Im Coaching schauen wir gemeinsam, wo es in Deinem Alltag konkret hakt, und suchen Lösungen, die zu Deiner Art zu denken passen, zum Beispiel beim Planen und Priorisieren.

Ein guter erster Schritt ist eine Liste mit allem, was gerade offen ist. Der kostenlose AGIL-Starter bringt Dich in etwa 15 Minuten dorthin, mit Beispiel und Vorlage.


Du schaffst das!


Julius Achenbach

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Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung. Solltest Du Dich in einer psychischen Notlage befinden, wende Dich bitte an den ärztlichen Notdienst (116117), den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 1110111 / 0800 1110222).


Quellen


Botha, M., Chapman, R., Giwa Onaiwu, M., Kapp, S. K., Stannard Ashley, A. und Walker, N. (2024). The neurodiversity concept was developed collectively: An overdue correction on the origins of neurodiversity theory. Autism, 28(6), 1591 bis 1594. https://doi.org/10.1177/13623613241237871


Doyle, N. (2020). Neurodiversity at work: a biopsychosocial model and the impact on working adults. British Medical Bulletin, 135(1), 108 bis 125. https://doi.org/10.1093/bmb/ldaa021


Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2022). ADHS bei Erwachsenen. https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.html

 
 
 

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Julius Achenbach

ADHS-Coach, ADHS-Betroffener, Entwickler des AGIL-Frameworks

Ich bin systemischer Coach (IHK, SCGD) und habe AGIL in meiner Masterarbeit (M.Sc. Wirtschaftsinformatik) wissenschaftlich hergeleitet.

Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Es unterstützt im Alltag mit praxisnahen Werkzeugen zur Selbststeuerung.

 

Wer macht was? Psychologen haben Psychologie studiert, beraten und arbeiten diagnostisch, führen aber keine Psychotherapie durch. Psychotherapeuten haben nach einem Psychologie- oder Medizinstudium eine staatlich geregelte Ausbildung abgeschlossen und behandeln psychische Erkrankungen mit anerkannten Verfahren. Psychiater sind Fachärzte, behandeln psychische Erkrankungen medizinisch und verschreiben Medikamente.

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