ADHS im Job: Zwischen Hyperfokus und „Ich kann heute gar nichts"
Ein Meeting, in dem Du jedes Detail aufgesaugt hast. Eine Präsentation, die Du in drei Stunden durchgearbeitet hast, obwohl andere dafür Tage brauchen. Der Business Case, das MBR, alles lief.
Und dann: Ein Tag, an dem Du 45 Minuten brauchst, um eine E-Mail zu schreiben, die aus drei Sätzen besteht, von denen Du das erste schon beim Schreiben des dritten vergessen hast.
Willkommen im ADHS-Alltag am Arbeitsplatz.
Die zwei Seiten der Medaille
ADHS im Job zeigt sich selten nur als Schwäche. Viele Erwachsene mit ADHS bringen Stärken mit, die in der richtigen Umgebung extrem wertvoll sind: schnelles Erfassen komplexer Zusammenhänge, kreative Problemlösung, hohe Energie bei Themen, die sie begeistern.
Gleichzeitig gibt es diese andere Seite: Routineaufgaben, die sich anfühlen wie eine Mauer. Meetings ohne klare Agenda, in denen die Konzentration nach 10 Minuten abdriftet. Oder das Gefühl, ständig hinterherzuhinken, obwohl man objektiv gute Arbeit leistet. Und die Angst vor Ablehnung...
Das "Problem" ist oft nicht die Leistung, sondern die Konsistenz. Und genau das fällt im beruflichen Kontext auf, wenn das Umfeld eben einfach anders funktioniert.
Typische Situationen bei ADHS im Job:
Du arbeitest am produktivsten unter Druck, aber ohne Deadline ... keine Chance
Du vergisst Details, die anderen selbstverständlich erscheinen (Termine, Rückrufe, Protokolle), nur um dann eine übergreifende Strategie für etwas Hochkomplexes zu bauen
Du hast Schwierigkeiten, Dich bei Hintergrundgeräuschen zu konzentrieren
Du wechselst häufig zwischen Aufgaben und verlierst dabei den Faden, sodass viel angefangen liegen bleibt
Du fühlst Dich nach einem normalen Arbeitstag einfach erschöpfter als du für richtig hältst
Was dabei (unter anderem) helfen kann
Transparenz, wo möglich: Du musst nicht jedem von Deiner ADHS erzählen. Aber dosiert kann es helfen zu kommunizieren, wie Du am besten arbeitest. Zum Beispiel: „Ich arbeite konzentrierter, wenn ich für komplexe Aufgaben einen ruhigen Block ohne Meetings habe."
Externe Systeme nutzen: Timer, Kalenderblöcke, Checklisten. Alles, was Dein Arbeitsgedächtnis entlastet, hilft. Insbesondere physisch!
Energielevel beachten: Nicht jede Stunde ist gleich. Wenn Du weißt, wann Dein Fokus am besten ist, leg die anspruchsvollsten Aufgaben in dieses Fenster.
Pausen aktiv planen: Nicht warten, bis Du nicht mehr kannst. Feste Pausen alle 45-60 Minuten, auch wenn es sich gerade noch gut anfühlt.
Das Wichtigste: Du bist okay, so wie Du bist: Man kann an sich arbeiten. Das sollte man auch. Aber man darf auch zu sich selbst stehen und einige Dinge an die Gangart anpassen, die für einen funktioniert!
Der Kern
ADHS am Arbeitsplatz ist kein Leistungsproblem. Es ist eine Frage der Passung zwischen Deiner Arbeitsweise und Deiner Umgebung. Im Coaching schauen wir genau da hin: Was funktioniert bereits, was braucht Anpassung, und wie kommunizierst Du das am besten?
Wenn Du Dich gerade in einer beruflichen Umbruchsituation befindest, kann auch das Systemische Coaching oder der Karriere-Kompass ein guter Startpunkt sein. Du schaffst das!
Julius Achenbach ADHS-Coaching & Systemisches-Coaching







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